Multimedia-Pult in Hörsälen

Ein Multimedia-Pult in Hörsälen integriert mehrere Präsentations- und Wiedergabemedien. Dozierende haben damit eine verlässliche Raumausstattung, um passende Medien auszuwählen, aufeinander abgestimmte Inhalte gleichzeitig auf mehreren Projektionsflächen im Raum anzuzeigen und über eine zentrale Mediensteuerung zwischen den Eingangsquellen wechseln zu können. Präsentationsfolien, interaktive Schreibflächen, Livebilder einer Dokumentenkamera, zusätzliche Bildquellen und Streams lassen sich mit einem Multimedia-Pult während der Lehrveranstaltung unaufwändig miteinander kombinieren.

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Abb. 1: Höhenverstellbares Multimedia-Pult in einem Hörsaal an der PH Karlsruhe (Foto: Dennis Dubbert)

Kontext

Vorlesungen in großen und kleinen Gruppen sind in vielen Studiengängen ein gängiges Lehrformat. Neben der klassischen frontalen Informationsvermittlung können hierbei auch aktivierende und interaktive Elemente eingebaut werden. Die Präsentation von Inhalten, das Entwickeln von Schaubildern, Abstimmungen über digitale Tools oder das Zusammenfassen von Diskussionsbeiträgen greifen so während der Lehrveranstaltung ineinander. Abhängig von der konkreten Ausgestaltung einer Vorlesung kommen vielfältige Medien zum Einsatz. Dozierende benötigen deshalb die Möglichkeit, im Hörsaal verschiedene Medien und Quellen nahtlos zu integrieren, um das Lehr- und Lernerlebnis optimal zu gestalten. Wird die Veranstaltung als hybride Streaming-Vorlesung angeboten, kommt außerdem noch die Anforderung hinzu, Medien von externen Online-Quellen einzubinden bzw. Inhalte zu streamen und ggf. aufzuzeichnen. 

Problem

Die Einbindung von und der Wechsel zwischen vielen unterschiedlichen Medien kostet häufig viel Zeit, ist gerade bei interaktiven Formaten schwer planbar und lenkt sowohl Studierende wie Dozierende ab. Für eine optimale Gestaltung darstellender Lehrphasen ist es jedoch empfehlenswert das jeweils passende Medium zu nutzen. 

Rahmenbedingungen

  • Aktivierung: Während längerer Vorträge lässt die Aufmerksamkeit schnell nach. Studierende werden aktiviert, indem ihre Neugierde geweckt wird und sie den Ablauf einer Lehrveranstaltung beeinflussen können. Die Aufmerksamkeit kann dabei erhöht werden, indem mehrere Medien verwendet werden, da diese visuelle, auditive und interaktive Modalitäten bieten. Doch hierfür müssen Lehrende schnell zwischen verschiedenen Medientypen und Quellen wechseln können, um auf den Verlauf der Vorlesung und die Bedürfnisse der Studierenden einzugehen.
  • Flexibilität: Vorbereitete, dynamisch entwickelte und spontan zusammengefasste Inhalte müssen während einer Vorlesung miteinander verknüpft werden. Oftmals kommen sowohl Präsentationsfolien als auch Videos, handschriftliche Darstellungen und Aufzeichnungen zum Einsatz. Zudem müssen physische Gegenstände dargestellt werden können, z. B. bei Experimenten oder zur Veranschaulichung von Bauteilen, Kulturgütern oder biologischen Elementen. 
  • Verknüpfung: Um dargestellte Inhalte und Objekte miteinander zu verknüpfen, ist es empfehlenswert, gleichzeitig mehrere Dinge zu zeigen. Der Wechsel zwischen Eingangsquellen könnte den Split-Attention-Effekt hervorrufen (Chandler & Sweller, 1992), bei dem Studierende den Fokus und ihre Aufmerksamkeit verlieren, wenn sie sich immer wieder neu auf unterschiedliche Wiedergabemedien konzentrieren müssen. Eine enge Verknüpfung, im Idealfall die Integration von Beschriftungen und dargestellten Materialien, wirkt dem entgegen.  
  • Verlässlichkeit: Dozierende müssen in der Lage sein, den Medieneinsatz in einer Veranstaltung verlässlich planen zu können. Durch unterschiedliche Ausstattungen und Präsentationsmöglichkeiten in verschiedenen Hörsälen sind Dozierende oft in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Eine Standardisierung steigert die Verlässlichkeit, kann aber auch zu unnötigen Einschränkungen führen. 
  • Komplexität: Die Verwaltung mehrerer Medienquellen kann komplex sein und erfordert ein benutzerfreundliches Steuerungssystem, um reibungslose Übergänge und Kombinationen zu gewährleisten. Je mehr Medienquellen genutzt werden, desto höher ist die Fehleranfälligkeit während einer Veranstaltung.

Lösung

Für eine dynamische und interaktive Gestaltung darbietender Lehrformate im Hörsaal werden auf einem Pult mehrere Präsentations- und Wiedergabemedien zur Auswahl gestellt. Dozierende wählen das passende Medium, kombinieren Inhalte miteinander auf mehreren Projektionsflächen im Hörsaal und wechseln über eine Mediensteuerung zwischen den Eingangsquellen. So können Präsentationsfolien, interaktive Schreibflächen, Livebilder von Kameras, zusätzliche Bildquellen und Streams miteinander kombiniert werden. Das Pult ist mit Bedienelementen und Schnittstellen für verschiedene Medienquellen ausgestattet, z. B. für Laptops, Dokumentenkameras und interaktive Tablets. Die verschiedenen Eingangssignale können über ein digitales Touchpanel gesteuert werden.

Details

Typischerweise verbinden Dozierende ihr eigenes Laptop mit den Hörsaalsystemen, um Folien oder Software auf den bereitstehenden Präsentationsflächen zu zeigen. Zur Visualisierung von Konzepten sollte ergänzend mindestens ein digitales Schreibtablett am Pult verfügbar sein. Durch das dort dargestellte schrittweise Entwickeln von Diagrammen, Formeln und Definitionen können Studierende die Zusammenhänge besser nachvollziehen.

Idealerweise stehen zwei Projektionsflächen zur Verfügung, damit Studierende mehrere Inhalte gleichzeitig sehen können, z. B. eine Präsentation und eine Visualisierung oder ein Experiment und die dazugehörigen Formeln. Daher erleichtert das gleichzeitige Anzeigen von zwei Quellen die Darstellung und Erklärung. Dozierende können über die Mediensteuerung frei entscheiden, welches Medium auf welcher Projektionsfläche angezeigt wird. Der Wechsel zwischen Inhalten erfolgt auf Knopfdruck.

Eine Dokumentenkamera („Visualizer“) eignet sich sehr gut zur Darstellung physischer Objekte oder experimenteller Aufbauten. Sie erfasst ein Live-Bild des Tisches oder eines definierten Bereichs und projiziert es in vergrößerter Form. Die Kamera kann mit einem Mechanismus zum Ausklappen am Pult angebracht werden (siehe Abb. 2), und ist bei Nichtgebrauch dadurch nicht im Weg.

Dokumentenkamera mit Klappmechanismus
Abb. 2: Dokumentenkamera mit Klappmechanismus auf einem Multimedia-Pult an der PH Karlsruhe (Foto: Dennis Dubbert)

Die Integration mehrerer Geräte durch die Lehrkraft ist ebenfalls eine gute Option. So bringen Lehrende manchmal ihr eigenes Tablet mit, um darauf zu schreiben. Zusätzliche Bildquellen und Streams können integriert werden, wie Live-Feeds, Online-Ressourcen und aufgezeichnete Videos.

Verbindungskabel und Anschlüsse für eigene Geräte müssen gut sichtbar sein (siehe Abb. 3). Es muss zudem sichergestellt werden, dass Kabel nicht aus Versehen ausgesteckt oder die Quellen vertauscht werden. Dies kann durch Befestigung oder das Verstecken von Kabeln im Medienschrank erreicht werden. Eigene Laptops lassen sich oft auch über WLAN mit dem Medienpult verbinden. Hierzu wird ein Verbindungscode auf den Präsentationsflächen angezeigt.

Digitales Touchpanel mit fest installierten Anschlüssen
Abb. 3: Digitales Touchpanel mit fest installierten Anschlüssen in einem Hörssal an der PH Karlsruhe (Foto: Dennis Dubbert)

Neben mehreren Bildquellen kann über die Mediensteuerung meist auch die Audiowiedergabe gesteuert werden. Verschiedene Mikrofone helfen dabei, den Präferenzen der Dozierenden gerecht zu werden. Handmikrofone oder gepolsterte Mikrofon-Würfel (zum Werfen ins Publikum) erhöhen die Interaktion mit dem Auditorium, erfordern aber auch zusätzliche Planung des Vorlesungsverlaufs.

Im Hörsaal installierte Kameras und Mikrofone für die Live-Übertragung lassen sich ebenfalls über das Multimedia-Pult steuern. Oft befindet sich im Multimedia-Pult ein eigener Rechner für das Streaming oder die Vorlesungsaufzeichnung. Viele Dozierende bevorzugen jedoch auch ihr eigenes Laptop zur Organisation von Vorlesungsstreams. Daher sollten sich eigene Geräte nicht nur mit Wiedergabemedien (Präsentationsflächen), sondern auch mit Aufnahmemedien (Kameras, Mikrofone, Dokumentenkamera) verbinden können. 

In das Multimedia-Pult kann zudem eine zum Publikum hin ausgerichtete optische Anzeige integriert werden, die anwesende Personen darüber informiert, ob eine Lehrveranstaltung gerade online übertragen oder aufgezeichnet wird.

Stolpersteine

  • Durch die vielfältigen Möglichkeiten wächst auch die Komplexität. Kurzanleitungen im DIN A4-Format sind oft auf dem Multimedia-Pult in Hörsälen aufgeklebt oder werden dort ausgelegt. Schulungsmaterialien und Kurzleitfäden sollten für alle Technologien im Intranet verfügbar sein. Niedrigschwellige Schulungsangebote (z. B. 10-Minuten-Einführungen) für Lehrende zur Nutzung des Mediensteuerungssystems und zur effektiven Integration verschiedener Medienquellen helfen bei der Akzeptanz. Es sollte zudem sichergestellt sein, dass technischer Support leicht erreichbar ist, wenn Probleme auftauchen.
  • Viele sichtbare Kabel können das ästhetische Erscheinungsbild beeinträchtigen, ablenken und schnell die Komplexität des Setups erhöhen. Lehrende könnten überfordert sein und sich mehr auf die bereitgestellte Technologie konzentrieren als auf soziale Interaktion und Inhaltsvermittlung. Daher sollten Kabel versteckt und der Wechsel zwischen Eingabe- und Ausgabequellen nicht durch Umstecken, sondern über die digitale Mediensteuerung organisiert sein.
  • Multimedia-Pulte sollten von Personen unterschiedlicher Körpergröße angenehm genutzt und bedient werden können. Dies gilt es bei der Gestaltung des Pults konsequent mitzudenken. So bietet sich beispielsweise eine höhenverstellbare, möglichst auch mit einem Rollstuhl unterfahrbare Pultfläche an (siehe Abb. 1). Bildschirme und interaktive Displays sollten im Neigungswinkel verstellt werden können. Bildschirme können auch mit Schwenkarmen so in das Pult integriert werden, dass sie sich ganz flexibel individuell anpassen lassen.

Vorteile

  • Dozierende können sich auf die Vermittlung und Aufbereitung der Inhalte fokussieren, anstatt auf die Verkabelung von Medien und Präsentationsflächen.
  • Durch multimediale Darstellungen werden Veranstaltungen abwechslungsreicher und die Motivation und Aktivierung der Studierenden lässt sich steigern. 
  • Insbesondere in Hörsälen mit Gruppentischen, die für verschiedene Lernaktivitäten ausgelegt sind, erhöht ein Multimedia-Pult die flexible Raumnutzung und bietet eine optimale Unterstützung der Lernaktivitäten.
  • Lehrende können ihre Präsentationen dynamisch anpassen, Medien adäquat auswählen und medial auf Fragen der Studierenden reagieren
  • Interaktive Displays oder Tablets ermöglichen das Schreiben, Zeichnen und Verändern von Inhalten, wodurch Aufmerksamkeit und Beteiligung erhöht werden können.
  • Multimedia-Pulte können das Angebot in Hörsälen standardisieren und erlauben eine individuelle Auswahl der Präsentationsmedien. 

Nachteile

  • Die Verwaltung mehrerer Medienquellen kann komplex sein und erfordert zusätzliche Schulung und Unterstützung.
  • Die Ausstattung eines Hörsaals mit der notwendigen Technologie kann teuer sein. Zudem erhöht sich der Wartungsaufwand.
  • Die Abhängigkeit von Technologie erhöht das Risiko technischer Probleme, die den Vorlesungsablauf stören könnten.
  • Zunehmend gruppenorientiertes Lernen führt dazu, dass klassische Hörsäle weniger frequentiert werden. Multimedia-Pulte in Hörsälen werden für neue Lehrformen weniger benötigt und der Nutzen der Investition verringert sich in diesen Fällen.
  • Neue Technologien und Kabelstandards erfordern regelmässige Updates der Multimedia-Pulte in Hörsälen.

Beispiele

Für Multimedia-Pulte in Hörsälen finden sich zahlreiche Beispiele in unterschiedlichen Ausführungen. Abbildung 4 zeigt ein Multimedia-Pult in einem Hörsaal an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Die Pulte werden an vielen Hochschulen als individuell gestaltete Möbelstücke gebaut und so an die Optik des Hörsaals angepasst.

Vor breiten Sitzreihen ist ein Multimedia-Pult mit Dokumentenkamera, interaktiver Schreibfläche und digitaler Mediensteuerung zu sehen.
Abb. 4: Pult mit Dokumentenkamera, interaktiver Schreibfläche und digitaler Mediensteuerung in einem Hörsaal an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) (Foto: Christian Kohls)

Idealerweise fügt sich das Pult optisch gut in den Raum ein und ist so platziert, dass die dozierende Person gut sichtbar ist, Bewegungsfreiräume hat und gleichzeitig die Präsentationsflächen im Raum möglichst wenig verdeckt. Insbesondere bei freistehenden Pulten wird oftmals auf der zum Raum hin ausgerichteten Sichtschutzplatte der Name oder das Logo der Hochschule aufgebracht (siehe Abb. 5).

Multimedia-Pult in einem kleinen Hörsaal
Abb. 5: Multimedia-Pult in einem kleinen Hörsaal an der University of Strathclyde in Glasgow, Schottland (Foto: Christian Kohls)

Die University of Glasgow in Schottland bietet Dozierenden an den Multimedia-Pulten in Hörsälen eine Auswahl verschiedener Präsentations- und Wiedergabemedien. Neben Dokumentenkamera, Mediensteuerung, und mehreren Bildschirmen steht hier auch eine interaktive Schreibfläche zur Verfügung (Abb. 6, von links nach rechts).

Vor breiten Sitzreihen ist ein Multimedia-Pult mit Dokumentenkamera, Mediensteuerung, mehreren Bildschirmen und interaktiver Schreibfläche zu sehen.
Abb. 6: Hörsaal mit Multimedia-Pult an der University of Glasgow (Foto: Christian Kohls)

Displays, Touchpads oder Schreibtabletts können auch direkt in die Tischplatte des Multimedia-Pults eingelassen werden. Abbildung 7 zeigt hierfür Beispiele aus der FH Bielefeld (links) und der FH Münster (rechts). Für eine gute Bedienbarkeit ist die Pultplatte jeweils leicht schräggestellt und über Tasten am Pult in der Höhe verstellbar.

Multimeida-Pulte mit in die Platte eingelassenen Displays
Abb. 7: Multimedia-Pulte mit in die Platte eingelassenen Displays an der FH Bielefeld (links) und der FH Münster (rechts) (Fotos: Christian Kohls)

Abbildung 8 zeigt ein Pult mit einklappbarer Dokumentenkamera, Bedienpanels und Anschlüssen in einem Hörsaal an der Universität des Saarlandes.

Vor breiten Sitzreihen ist ein Multimedia-Pult mit Dokumentenkamera, Mediensteuerung und Touchpanel zu sehen.
Abb. 8: Multimedia-Pult in einem Hörsaal an der Universität des Saarlandes (Foto: Christian Kohls)