Lernerfolg definieren im Spannungsfeld von Individuum, Hochschule und Gesellschaft

Die Art und Weise, wie Lernerfolg definiert wird, wirkt sich auf Entscheidungen und Handlungen im beruflichen Alltag an der Hochschule aus. Dabei gibt es zwischen den beteiligten Akteuren oft kein einhelliges Verständnis von Lernerfolg. Im Online-Event wurden daher unterschiedliche Ansätze für die Definition von Lernerfolg gegenübergestellt und diskutiert.

05.02.2018, 14:00 Uhr

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Prof. Dr. Ulrike Cress (Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Jürgen Handke (Philipps-Universität Marburg ), Prof. Dr. Bernhard Hirt (Universitätsklinikum Tübingen)

Erfolgreiches Lernen kann im Lehr-Lern-Kontext etwas anderes bedeuten als auf Hochschulebene oder im Zusammenhang gesellschaftlicher Herausforderungen. Deutlich wird die Unterschiedlichkeit an der Gewichtung verschiedener Indikatoren, die genutzt werden, um Lernerfolg zu beurteilen. So werden in manchen Fällen ausschließlich Klausurnoten zur Beurteilung des Lernerfolgs herangezogen, in anderen Ansätzen wird die Anwesenheit der Studierenden oder das Engagement für das Studienfach und dessen Inhalte als entscheidend angesehen. Auch die Evaluation der Lehrveranstaltung durch die Rückmeldung von Studierenden kann als ein wichtiger Indikator für Lernerfolg aufgefasst werden.

Im Online-Event wurden daher die verschiedenen Zielsetzungen, nach denen sich Lehrende, Mitarbeitende in Servicestellen oder auch Hochschulleitungen richten, mit dem Anliegen erörtert, die verschiedenen Definitionen von Lernerfolg zu reflektieren. Als Diskutanten tauschten sich Prof. Dr. Ulrike Cress (Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Jürgen Handke (Philipps-Universität Marburg) und Prof. Dr. Bernhard Hirt (Universitätsklinikum Tübingen) aus.

Zur Vorbereitung auf die Veranstaltung empfiehlt Prof. Handke zwei kurze Videos zur digitalen Anreicherung und digitalen Integration.

 

Prof. Bernhard Hirt

Direktor des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik, Tübingen

Beitragende

Ulrike Cress ist Direktorin des IWM und Professorin an der Eberhard Karls Universität Tübingen im Fachbereich Psychologie. Mit ihrer Arbeitsgruppe Wissenskonstruktion am IWM beschäftigt sie sich mit sozial- und kognitionspsychologischen Prozessen, die
bei der gemeinsamen Konstruktion und Nutzung von Wissen relevant sind. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Computer Supported Collaborative Learning (CSCL), Massenkollaboration, Social Software, Wissensmanagement, Embodied Interaction sowie Design und Evaluation digitaler Lern- und Arbeitsumgebungen. Ulrike Cress hat zahlreiche Projekte zum web-basierten Lernen durchgeführt (u.a. gefördert von EU, DFG, BMBF, Länder BW, NRW).
Jürgen Handke, Anglist/Linguist an der Philipps-Universität Marburg, hat mehrere Bücher im Bereich Sprachwissenschaft, Sprachtechnologie, sowie E-Education verfasst und bemüht sich seit Jahren um die Nutzung digitaler Lehr-, Lern- und Prüfungsszenarien
in der Hochschullehre. Er ist Mitglied im Kernkompetenzteam des „Hochschulforums Digitalisierung“ und Mitglied der Strukturkommission für die neuzugründende TU Nürnberg. Von 1981 bis 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hannover. 1984 Promotion mit einer Arbeit über Adverbialsätze im Englischen. Zwischen 1984 und 1991 Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Wuppertal, 1990 Habilitationsschrift mit dem Thema „Natural Language Processing and Implementierung in LISP“. Seit 1991 Professor an der Philipps-Universität Marburg. Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Linguistik und des E-Learnings. Betreiber der weltweit größten E-Learning Plattform für Linguistik: "The Virtual Linguistics Campus". Die Plattform befindet sich seit 2001 im Dauerbetrieb und hat eine Community von mehr als 11.000 registrierten Benutzern. Handke ist deutscher Pionier in der Nutzung des Inverted Classroom Modells, das er im Rahmen seiner On Campus Kurse in der "Mastery" Variante einsetzt: http://youtu.be/opdljbIixD8. Seit 2012 betreibt Handke den YouTube-Kanal: www.youtube.com/linguisticsmarburg. Seit 2015 bietet Handke über den Virtual Linguistics Campus ein "Curriculum" aus 6 ("permanent") pMOOCs an., siehe dazu www.linguistics-online.com.

Weitere Informationen

Diese Online-Veranstaltung ist Teil des Themenspecials Was macht Lernen mit digitalen Medien erfolgreich?.

Materialien zum Beitrag

derPeter
derPeter
01.02.2018 11:19

"Digitale Lehre fördert die sozialen Kontakte", ist mir persönlich etwas zu pauschal und wirft sofort die Frage auf, welcher Teil von "Digitaler Lehre" konkret gemeint ist. Schade zudem, dass man nicht mehrere Thesen gewichten kann.

mschmidt1
mschmidt1
02.02.2018 10:31

Guter Punkt. Was wäre aber eine gute Anzahl möglicher Gewichtungen, wenn man bedenkt, dass auch die Anzahl der vorgeschlagenen Thesen stark variieren kann?

leohamminger
leohamminger
02.02.2018 13:12

Ich werte gerade die Ergebnisse meiner online -Erhebung zu persönlichen Überzeugung von Lernerfolg bei berufstätig Studierenden aus (n=303). Es zeigt sich, dass Erwachsene in der Weiterbildung als Lernerfolg Transfer und Beurteilung etwa gleich wichtig halten wie durch neues Wissen entstandene Freude, als Grundlage zur Diskussionsteilnahme und vermehrte Lebensqualität. Letztere Kategorien werden in universitärer Lehrer unterschätzt, wohl auch weil sie kaum messbar sind.

derPeter
derPeter
02.02.2018 13:13

Jede These sollte gewichtet werden können (oder nicht). Das Ergebnis ergibt sich dann daraus, dass nicht alle Abstimmenden alle Thesen gleich gewichten, aber einige Thesen sicher die Zustimmung vieler Abstimmenden erhalten. Also kurz: Mehrfachauswahl. Einige Thesen widersprechen sich z.B. gar nicht. ;-)

e-teaching.org
e-teaching.org
02.02.2018 14:37

Bei diesem Setting sollte man sich entscheiden, welche These am stärksten zu Befürworten ist. Aber die Variante mit der Mehrfachauswahl deckt sicher die Fälle besser ab, bei denen sich Thesen nicht direkt widersprechen. Wir denken darüber nach und machen es dann vielleicht beim nächsten mal mit Mehrfachauswahl.

derPeter
derPeter
09.02.2018 14:02

Bei den statistischen Graphen von Herrn Handke sehe ich doch einen kleinen, leichten Abwärtstrend anstelle eines "stabilen" Verlaufs. Das finde ich aber nichtmal dramatisch, denn es könnte ja auch bedeuten, dass die Studierenden im Laufe der Veranstaltung besser selbst entscheiden können, woher sie sich ihr Wissen holen. Anwesenheit per se ist ja weder "gut" noch "schlecht". Es kommt eher darauf an, wie nützlich das für den Einzelnen ist, was in der Anwesenheit getan wird.

derPeter
derPeter
09.02.2018 14:12

These: Benutzt die/der Lehrende beiläufig das Wort "prüfungsrelevant" in der Kommunikation mit den Studierenden, steigt sofort die TN-Zahl in der Präsenzveranstaltung, als auch die Klickzahlen der digitalen Zugriffe. ;-)

Kommentare wurden abgeschaltet.